Je höher der Redenanteil umso intelligenter?

„Mit dem Redeanteil bei Gesprächen ist es wie mit dem Ballbesitz beim Fußball: Er ist nicht entscheidend!“ (Horst-Joachim Rahn)

Was ist eigentlich ein Berater? In den zwei Beratungsunternehmen wurde es klar von 2 Projektleitern zu mir mal gesagt: Zitat 1: „Der eine hat im Meeting nichts gesagt, also kann der auch nichts.“ Der andere: „Die hat ja nichts gesagt, also hat sie keinen Elan.“

Da ich selbst nicht wusste, was mich als Berater eigentlich ausgemacht hat, hat es auf mich eine Zeitlang einen enormen Druck aufgebaut. Ich sass in Meetings und setzte mich unter dem Druck, irgendwas Sinnvolles sagen zu müssen. Dabei ist genau das das Problem: Sinnvoll. Ich bin jemand, der nicht einfach nur quatscht, sondern tatsächlich etwas Sinnvolles beitragen möchte. Sonst fühle ich mich wie an die Schule erinnert, bei der mir der Pädagogik-Unterricht recht präsent im Kopf ist. Einer sagt etwas, 5 Leute nehmen diese Antwort auf und sprechen sie in eigenen Worten aus. Dieser Druck führt aber, dass natürlich gar nichts rauskam, da ich weder dem Meeting inhaltlich folgen konnte, noch mich auf meine Stärke, die Atmosphäre zu spüren, und dementsprechend richtig reagieren zu können, verlassen konnte. Erst als ich mir sagte, „Egal, dann meinen sie eben, dass ich nichts kann“, konnte ich mich erst fallen lassen und tatsächlich wieder was beitragen.

Ich weiss aber auch nicht, welcher Glaubenssatz und Denkweise Menschen dazu verleitet zu sagen, dass Menschen, die nichts sagen, nichts können. Ich bin jedes Mal irritiert, wenn ich diese Aussage höre. Ist es Unsicherheit, warum hat der eine nichts gesagt? Und als Antwort beruhigt man sich dann einfach mit den Worten: Der weiss einfach nichts.

Wenn ich in einem Meeting gar nichts beitragen kann, lehne ich mich zurück und beobachte die Menschen im Raum. Ich überlege mir dann immer, wenn die eine Person nicht anwesend wäre, ob es dann eine Veränderung im Verlauf des Meetings geben würde. Ich bin davon überzeugt, dass jeder zur Atmosphäre beiträgt und bei dem anderen etwas auslöst.

Im Human Design wird diese These bestätigt. Jeder hat Energiezentren und Kanäle zwischen diesen Zentren. Diese sind entweder definiert oder offen. Die definierten Zentren und Kanäle der einen Person haben Einfluss auf die anderen Personen. Nur durch blosse Anwesenheit des Einen, wird der Andere (unbewusst oder auch bewusst) beeinflusst.

Beispielsweise ist bei mir der Kanal der Abstraktion definiert. Damit kann ich mich mit Sinn-Fragen beschäftigen. Alleine durch meine Anwesenheit können Andere auch einen Zugang zu diesem Thema haben. Unter https://humandesignmatrix.wordpress.com/2012/12/22/2-14-der-beat/#more-952 wird das Gefühl beschrieben, welches eine Person mit undefinierten Kanal, die auf eine Person mit definierten Kanal trifft. Allein durch die Anwesenheit einer Person mit definierten Kanal hat die Person mit undefinierten Kanal das Gefühl, klarer zu sehen und zielstrebiger zu sein.

Im Gegensatz dazu ist mein Wurzelzentrum undefiniert. Das Wurzelzentrum ist das unterste Zentrum und verbindet uns energetisch zur Erde. Er ist unser Motor und wird auch Druck- bzw. Stresszentrum genannt. Menschen mit einem definierten Wurzelzentrum können leicht Andere unter Druck setzen, ohne dass sie etwas sagen oder tun. Allein durch ihre Anwesenheit rufen sie diesen Druck bei anderen hervor. Ich selbst merke jemanden mit einem definierten Wurzelzentrum in meiner Nähe daran, dass mein Puls steigt, Druck in meiner Magengegend sich aufbaut; ich fühle mich unter Druck. Früher habe ich dem Druck nachgegeben und einfach viel gearbeitet. Aber anstatt Belohnung erhält man noch mehr Druck. Heute verlasse ich explizit den Raum, atme tief durch und sagen mir, dass es nicht mein Druck ist, den ich spüre und lasse den Druck damit wieder los.

Damit kommt die Frage auf, muss ich wirklich im Meeting als Berater quatschen oder reicht es einfach anwesend zu sein? (Und dann etwas zu sagen, wenn es für mich sinnvoll ist.) Vor allem die Intelligenzfrage halte ich im Zusammenhang mit dem Redeanteil für unzulässig. Vielleicht sollten die Menschen, die immer quatschen sich überlegen, ob die introvertierten Menschen, die Zeit nicht zum Denken nutzen. Also öfter mal mit den eigenen Vorurteilen aufräumen und kurz in sich gehen.

Beobachtet mal wie anderen Menschen auf Euch reagieren oder wie Ihr auf Menschen reagiert. Vielleicht hat der Andere ein Zentrum oder Kanal definiert, der bei Euch offen ist oder umgekehrt.

 

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