Projekte an die Wand

„Es ist keiner so klein, als dass er nicht ein Licht anmachen könnte.“ (Aus der Schweiz)

Ich habe schon lange nichts mehr von mir hören lassen. Aber eigentlich ist eine Menge wieder passiert. Aber es regt mich gar nicht mehr so auf, bzw. ich versuche die wahren Ziele zu finden. Ich analysiere daher mehr und gehe immer mehr in die Beobachterposition.

Also ich versuche es mal zu beschreiben. Ich bin in einem Projekt, bei dem eigentlich jedem Projektleitererfahrenen klar ist, dass das Projekt scheitern muss. Es erfüllt alle Kriterien (kein Ziel ist das Wichtigste der Liste), die nur das Projekt an die Wand fahren lassen kann. Nun bin ich das erste Mal nicht in der Position, das Projekt von mir aus zu stoppen, sondern bin „nur“ Mitarbeiter. Ich habe mich dennoch soweit es geht bemüht, das Problem deutlich zu machen.

Da wir ein sehr starkes Team sind, spüren fast alle dasselbe. Dementsprechend gab es schon 2 Diskussionen, in denen wir überlegt haben, ob wir wirklich dieses Projekt so durchführen wollen; ob es wirklich Ziel der Geschäftsführung ist, dieses Projekt so führen zu lassen. Wir haben es aber dann doch sein lassen. Unseren Projektleiter haben wir von unseren Befürchtungen informiert, haben aber als Antwort erhalten, das ist sein Problem, welches er mit der Geschäftsführung ausdiskutieren muss. Danach ist nichts weiter passiert.

Nun haben wir die 3. Diskussion gehabt, zu der wir den Projektleiter direkt eingeladen haben. Dort haben wir auch Lösungen ausgearbeitet. Die fehlende Energie am Anfang des Meetings war sofort nach dem Meeting in positive Energie umgesprungen und förmlich spürbar gewesen. Leider ist es wie mit einem Ballon: die Luft ist drin, aber irgendwo gibt es ein kleines Loch, aus dem Luft langsam herausströmt. Nach 4 Wochen habe ich dann gefragt, was denn nun ist. Dabei kam heraus, dass der Projektleiter nächste Woche ein Meeting hat, in dem er es mit der Geschäftsleitung diskutieren möchte. Damit war es, als ob der Ballon geplatzt ist.

Transparenz ist also auch bei uns intern nicht gegeben. Ohne Transparenz auch kein Vertrauen. Ich habe fast das Gefühl, dass wir im kleinen Team abspielen, was wir im Gesamtprojekt im Grossen haben. Jeder hat seine eigenen Ziele, jeder ist höflich und distanziert zu jedem, so dass man nicht aneckt. Jeder macht irgendwas, um beschäftigt zu tun. Entscheidungen werden nicht gemacht und wenn ad hoc; und ohne dass der Betroffene mit in die Entscheidung eingebunden wird. Ein gemeinsames Ziel fehlt. Wissen wird nicht weitergeben, da man nicht weiss, ob der andere es überhaupt benötigt oder, was fataler ist, es wird als Machtfaktor genutzt. Entweder hadern wir mit dem Symptomen des Gesamtprojekts und spielen es unbewusst im Kleinen nach. Oder sind wir nicht sogar die, die Symptome nach aussen in das gesamte Projekt ausstrahlen?

Ich habe nun entsprechend vorgestern interveniert und gesagt, dass ich mir wünsche, dass wenigstens einer vom Team bei der Besprechung mit der Geschäftsführung dabei ist. Nun, heute ist es soweit, wir sprechen als Team mit der Geschäftsführung. Aber dadurch dass es so kurzfristig ist, fehlt die klare Aussprache im Team. Gerade meinte schon einer aus dem Team, dass wir nicht als Team sprechen sollen, da er sehr glücklich gerade ist und auch denkt, dass wir nun auf einen guten Weg sind. Somit wirken wir völlig unglaubwürdig.

Ich rechne mir also aus, dass man uns zuhört, und dann nett lächelt und sich denkt, lass sie mal weiter macht. Leider hat dieses Weitermachen lassen schon den Effekt, dass einer aus dem Team gegangen ist. Und auch ich muss gestehen, dass ich wieder einmal mit dem Gedanken spiele, zu gehen. Profit geht eben vor sinnvoller Arbeit. Vielleicht finde ich irgendwo da draussen einen Beruf, der es genau anders herum sieht: erst sinnvolle Arbeit und dann Profit bzw. durch sinnvolle Arbeit kommt der Profit von selbst.

Ich werde euch dann von dem Ergebnis des Meetings berichten.

 

 

 

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