Warum braucht es Wissensmanagement?

„Eine Investition in Wissen bringt immer die höchsten Zinsen.“ (Benjamin Franklin)

Müssen wir Wissen denn überhaupt noch managen? Denn eigentlich ist Wissen doch überall verfügbar in mehr oder minder guter Qualität. Wir müssen nur nach dem Wissen schauen, welches wir gerade benötigen und dann anwenden. Brauchen wir da wirklich ein Instrument, wie wir Wissen managen?

Früher musste man sich Wissen tatsächlich erarbeiten: Wissen war schwer zugänglich, war mitunter schwer verständlich in teuren Büchern niedergeschrieben und man eignete sich Wissen mühevoll an. Siehe beispielsweise die Meisterprüfung: die Prüfung ist schwer und muss vom Prüfling bezahlt werden. Die Durchfallquote liegt bei 20%. Wer Meister werden möchte muss bei der Prüfung sein Können unter Beweiss stellen. Durch das lange Aneignen war Wissen aber auch umso reizvoller und wertvoller.

Fast eine halbe Million Menschen haben 2016 ihr Studium an einer deutschen Hochschule erfolgreich beendet. Damit hat sich die Zahl seit 2002 mehr als verdoppelt. Dafür hat sich die Zahl, die sich einer Meisterprüfung unterzogen übrigens halbiert (vielleicht auch weil man für viele Berufe, den Meisterzwang abgeschafft hat).

Heisst das nun, dass es auch doppelt so viele Menschen gibt, die ein hohes Wissen haben? Da ich unterrichte, kann ich sagen, mir fällt es schwer, das zu glauben. Den Hochschulen ist es wichtig, eine hohe Zahl an Studierenden zu haben. Sätze wie, eigentlich ist die Arbeit Müll gewesen, aber ich habe die Studierenden dennoch durchkommen lassen, damit ich sie nächstes Jahr nicht wieder im Kurs habe, habe ich selbst gehört. Ein Qualitätsbewusstsein der Hochschule habe ich sehr vermisst. Ich wurde nicht einmal kontrolliert, ob ich überhaupt mein Fach unterrichtet habe. Ich glaube, ich hätte auch etwas über grüne Elefanten erzählen können und es wäre in der Hochschule nicht aufgefallen. Vielleicht ist es auch nur eine negative Ausnahme – ich hoffe es zumindest sehr. 🙂

Vielleicht kommt trotz hoher Absolventenzahlen auch immer wieder das Thema „Fachkräftemangel“ auf. Denn man erwartet ja, dass man jemanden mit einem akademischen Titel einstellt, dass derjenige auch wirklich etwas beitragen kann. Ich glaube meine Studierenden, die ich in Projektmanagement unterrichtet habe, können definitiv kein Projekt leiten. Klar, auf der einen Seite müssen sie auch erstmal ein Projekt mitgemacht und dann auch geleitet haben, aber selbst für die Basics werden die ganzen 9 x 2h Vorlesungsstunden + 9 x 2h Übungen nicht wirklich gereicht haben. Bei den Menschen, die die Meisterprüfung bestanden haben, ist es klar, dass sie einen Betrieb selbst führen können.

Dennoch oder gerade deshalb wird Wissen neben Boden, Kapital und Arbeit oft als 4. Produktionsfaktor gesehen. Aus der BWL wissen wir, dass der Produktionsfaktor Arbeit der Beitrag ist, den ein Mensch zur Herstellung von Gütern einbringt. Dabei kann es sich sowohl um körperliche als auch geistige Arbeit handeln.

Da Arbeitskraft in Industrieländern teuer ist, haben sich ganze Branchen und Sektoren an Billiglohnländern, aber auch einige Teile der Produktionsketten an billigere Standorte ausgelagert (outgesourct). Oder wir automatisieren immer mehr unserer Produktionen. Arbeitskräfte „lohnen“ sich also nur, wenn der geistige Anteil sich erhöht. Wenn wir mit ihnen also Produkte produzieren können, die eine hohe Wertschöpfung haben bzw. für den Kunden ein Problem besser/intelligenter lösen können als der Mitbewerber.

Dieses Wissen kann kein Mensch alleine mehr haben. Es braucht allein für die Entwicklung von Software eine hohe Anzahl von Menschen, die spezielles Wissen haben, um daraus ein einziges System zu erstellen: Requirements Engineers, Software-Entwickler, Tester, Front End Designer, Architekt…

Dieses Wissen muss sinnvoll miteinander verzahnt werden, denn nur dann kann ein intelligentes Produkt entstehen. Wenn ich aber in Silos (oder in Abteilungen) denke, dann wird es schwierig werden, eine ganze Organisation intelligent zu machen, um intelligente Produkte bereitstellen zu können. Vielleicht kennst Du Projektteams, die einfach gut laufen. Man hat Spass und erreicht fast mühelos das gemeinsame Ziel, weil jeder weiss, welche Rolle er spielt und welches Wissen er einbringen muss. Jeder tauscht gerne sein Wissen aus, so dass auch schwierige Probleme im Team gelöst werden. Wahrscheinlich kennst Du aber auch das Gegenteil. Jeder sitzt schweigend vor seinem Rechner und man muss das Wissen des anderen immer wieder aus der Nase ziehen.

Es reicht also nicht (mehr) aus, ein paar kompetente Mitarbeiter einzukaufen und dann zu hoffen, dass er sich schon einbringt bzw. einbringen kann. Ich muss es als Unternehmer schaffen, dass jeder in meiner Organisation weiss, dass sein Wissen nur relevant ist, wenn es mit anderem Wissen ausgetauscht wird. Ich muss es schaffen, dass jeder Mitarbeiter sich als Teil eines intelligenten und damit auch als lernfähigen und lernenden Systems begreift. Nur dann können intelligenten Produkte und Dienstleistungen geschaffen werden.

Damit ist hoffentlich klar geworden, dass es Wissensmanagement braucht. Es geht nicht darum, das Wissen zu „managen“. Sondern Wissensmanagement kann zeigen, wie Organisationen zu solch intelligenten Organisationen werden können, wie sie als Systeme das erforderliche Wissen bereitstellen und die systemische Intelligenz realisieren müssen. Wie sie es schaffen, sich als lernfähiges und lernendes System zu begreifen, dass sie Lernen mit ihren strategischem Ziel verknüpfen können.


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