Wie Du es als Führungskraft verhinderst, dass Wissen ausgetauscht wird

„Neue Meinungen sind immer verdächtig und werden ohne Grund abgelehnt,weil sie nicht üblich sind.“ (John Locke)

Wissen wird immer dann ausgetauscht, wenn sich unter anderem Mitarbeiter sicher fühlen und einen Mehrwert sehen, wenn sie ihr Wissen teilen. Es gibt daher viele Möglichkeiten, den Wissensaustausch zu verhindern. Nachfolgend eine Auswahl:

  1. Suche immer den Schuldigen bei Fehlern und bestrafe ihn. Fehler sind negativ und müssen vom Mitarbeiter tunlichst vermieden werden. Ich habe viele Projekte erlebt, bei denen beim Auftreten eines Fehlers nicht nach einer Lösung, sondern erstmal nach dem Schuldigen gesucht wird. In einem Projekt ging es so weit, dass ich irgendwann aufgestanden bin und gesagt habe, dass ich schuld bin (mit der verwirrten Antwort eines Entwicklers, dass ich nicht schuld bin.) Ich habe dann gesagt, dass ich das gerne auch gegenüber der Geschäftsleitung bestätige. Damit konnten sich alle erstmal beruhigen, man sah regelrecht, wie ganze Steine von Allen fielen. Wir waren dann auch wieder in der Lage gemeinsam eine Lösung zu suchen.Oder es werden Fehler vertuscht. Wie lange haben Projekte den Status „grün“? Vor allem wenn diese Status-Meldungen zum Kunden weitergegeben werden? Fehler werden dann so lange nicht benannt bis es nicht mehr geht und dann das Projekt gleich auf Rot gesetzt muss.Diese Angst keine Fehler machen zu dürfen, lähmt Mitarbeiter. Mit dieser Angst werden sie sicherlich kein weiteres Risiko eingehen und einen Versuch wagen, eine neue Idee oder einen neuen Weg auszuprobieren. Es ist eher sogar so, dass mit dieser Angst Mitarbeiter Fehler machen.
  2. Schaue regelmässig bei der Küche oder in der Raucherpause vorbei – Vielleicht triffst du ja dort Mitarbeiter an, die gerade anscheinend nicht vollständig ausgelastet sind.Auch ich habe viele Unternehmen erlebt, bei denen man das Gefühl hatte, dass die Führungskräfte regelmässig in die Küche gegangen sind, nur um sich mal eben umzuschauen. Man hat dann gleich dieses schlechte Gewissen, obwohl man gerade über ein Projekt gesprochen hatte.Im französischen oder italienischen Organisationen ist der Kaffeeautomat der zentrale Ort, um Wissen auszutauschen. Hier treffen sich alle Mitarbeiter und unterhalten sich über die Dinge, die die tägliche Arbeit betreffen, egal aus welcher Abteilung die Mitarbeiter kommen, welche Position sie in der Unternehmung haben. Es werden über Probleme diskutiert, Ideen ausgetauscht, Lösungsvorschläge vorbereitet. Es geht also nicht um den informellen Austausch.
  3. Lobe immer nur einen aus dem Team bei Erfolgen. Schliesslich können ja wohl nicht alle am Erfolg beigetragen haben. Oder eigentlich habe ich als Führungskraft doch massgeblich an dem Erfolg beigetragen.
    Mitarbeiter, die dies erlebt haben, werden ihr Wissen sicherlich nicht mehr teilen, sondern ihr Wissen für sich behalten. Wissen ist Macht, ist dann die Devise. Wenn Du Dir die Lorbeeren einfängst, wird man mit Dir auch nur das nötigste Wissen austauschen.
  4. Gebe Informationen nur selektiv weiter. Beispielsweise reicht es ja aus, wenn der Projektleiter über Probleme beim Kunden Bescheid weiss, ein Teammitglied muss es ja nicht wissen.Konsequenzen sind immer gut bei einer Mitarbeiterkündigung zu beobachten. Das ist immer noch ein Tabu-Thema in Unternehmungen. Der Mitarbeiter, der das Unternehmen verlässt, wird angewiesen, so lange wie möglich nichts zu sagen; auch gegenüber dem Kunden nicht. Das führt zu einer gut gehenden Gerüchteküche, die man als Führungskraft eigentlich wahrscheinlich vermeiden wollte. Vielleicht geht der eine Mitarbeiter einfach aus privaten Gründen, aber im Gerüchtemodus können daraus die übelsten Szenarien kreiert werden. Eine weitere Folge ist: der Kunde plant mit dem Mitarbeiter die nächsten Monate, und ist dann völlig verärgert, weil der Mitarbeiter nicht mehr da ist.Auch in manchen Projekten werden bestimmte Informationen nur an bestimmte Mitarbeiter weitergegeben. Klar, habe ich als Projektleiter damit das meiste Wissen im Projekt, aber ich gebe meinen Mitarbeitern indirekt zu verstehen, dass sie nicht alle Informationen haben dürfen. Warum sollte ich dann als Mitarbeiter, mein gesamtes Wissen weitergeben?
  5. Mache dich über Beiträge deiner Mitarbeiter in Unternehmensblog oder ähnlichem lustig – am besten in Anwesenheit anderer Mitarbeiter. Auch das habe ich persönlich mitbekommen. Eine tolle Idee ist geboren worden, um etwas Menschlichkeit in eine Unternehmung zu bringen: Der Unternehmensblog. Endlich findet sich jemand, der aus seinen privaten Leben berichtet. Dann kommt es sehr gut, wenn die Geschäftsleitung sich über den Inhalt lustig macht. Der nächste Freiwillige meldet sich bestimmt gern.
  6. Würge jede unsinnige Frage oder sogar Kritik ab. Solche kritischen Stimmen nerven aber auch immer in Projekten oder Meetings. Das Meeting wird damit immer wieder gestört, denn nun müsste man darüber diskutieren. Dabei ist die vorgestellte Idee doch super. Meist bringen diese kritische Stimmen und Fragen gute Ideen und/oder eine neue Perspektive ein, die die Risiken der vorgestellten Idee hervorheben. Dann könnte man gemeinsam überlegen, wie man sie verhindern kann, oder durch die kritische Stimme, kommt ein andere im Team auf eine neue Idee.Wenn man solche Kritikpunkte abwürgt, zeigt man, dass das man nicht auf das Wissen kritischer Menschen angewiesen ist. Wenn die Kritik eines Mitarbeiters öfter abgewürgt oder nicht gehört wird, wird dieser Mitarbeiter sicher irgendwann keine Kritik äussern. Was aber nicht heisst, dass er nun motiviert ist und sein Wissen gerne teilt.
  7. Stelle Menschen mit gleichen Wissenshintergrund, gleichen Erfahrungen, im ungefähr gleichen Alter… Damit kommen weniger Diskussionen zustande. Die wenigen kritischen Einwände, werden als Randnotiz genommen, so dass Entscheidungen schnell getroffen werden können. Wir neigen dazu, Menschen zu bevorzugen und damit auch einzustellen, die uns ähnlich sind. Aber ohne Diversität kein neuer Input für die Unternehmung. Denn unterschiedliche Menschen sehen Dinge unterschiedlich. Das kann man immer auch wunderbar an Kindern beobachten. Wie viele Dinge wollte ich schon wegpacken und daraus wurden mit Begeisterung die tollsten Spielzeuge kreiert.Erst mit einer hohen Diversität kommen mehr verschiedene Stimmen, unterschiedliches Wissen zu einem Thema auf, so dass Diskussionen entstehen können, so dass sich daraus neue Ideen entwickeln können.
  8. Gebe Deinen Mitarbeitern keine Möglichkeit sich weiterzubilden.
    Das habe ich selbst am wenigsten erlebt, denn die meisten Unternehmen, in denen ich war, arbeiteten mit Zielvereinbarungen. Meist ist damit eine Weiterbildung inbegriffen. Das erklärt sich von selbst: Ohne dass Mitarbeiter sich weiterbilden dürfen, kommt kein neues Wissen in die Unternehmung.

Die Einführung eines Wissensmanagement-Systems bringt die Symptome nach einiger Zeit zutage: Das Wissen wird in solch einem System nicht wachsen. Erst wenn ich es schaffe, meinem Mitarbeitern Sicherheit zu geben und Vertrauen aufzubauen, wird Wissen ausgetauscht und dann kann ein Wissensmanagement-System durchaus auch hilfreich sein.


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