Was machte der Stress mit mir?

„Die meisten Menschen geben ihre Laster erst dann auf, wenn sie ihnen Beschwerden bereiten.“ (William Somerset Maugham)

Kennst Du das? Das Herz rast, der Magen will nicht, in der Nacht dreht sich alles um das gleiche Thema, dementsprechend ist man am nächsten Tag tierisch müde und erschöpft. Man beisst trotzdem die Zähne zusammen und geht weiter arbeiten. Schliesslich ist man ja nicht krank. Bis irgendwann der Arzt einem sagt, dass man längere Zeit zu Hause bleiben soll.

Foto bereitgestellt von Marco Wolff

Jetzt, wo sich bei mir der Stress langsam abbaut, sehe ich, was ich meinem Körper über Jahre zugemutet habe. Ich bin mir nicht sicher, ob der Stress mit dem Umzug aus der Schweiz nach Deutschland begann oder ob es nicht vorher schon da war und sich in Deutschland einfach nur verstärkt hat. Sicher bin ich mir, dass ich aufgrund mehrerer Dinge, die fast gleichzeitig passiert sind, den Stress nun abbauen kann: meine Selbstständigkeit hilft; vielleicht auch, dass wir wieder zurück in der Schweiz sind und die Landschaft in vollen Zügen geniessen kann (Berlin ist da echt langweilig, wenn man vorher in der Schweiz jedes Wochenende wandern war.) dass ich nun tolle Menschen kennen lerne, mit denen es einfach Spass macht, zusammen zu sein.

Da es gerade im Gespräch mit tollen Freunden hochkam, schreibe ich über meine Erfahrungen mit dem Stress. Jeder hat seine eigenen Erfahrungen gemacht, dementsprechend hat dieser Bericht sicher keine Allgemeingültigkeit, aber vielleicht hilft es den ein oder anderen. Viel Spass beim Lesen!

Warum ich Stress hatte?

Ich selber lebte mit den Glaubenssatz: „Nur wer leistet, ist etwas wert.“ Damit war bei mir verbunden, dass ich Anerkennung von aussen gesucht habe und nicht durch mich selbst. Das wiederum führt zu der Angst zu versagen. Wenn der Chef nichts zu meinem Konzept sagt, kam mir gleich der Gedanke, ob die Arbeit nicht gut genug ist. Kritik, Feedback habe ich gleich persönlich genommen. Die Mimik und Gestik des Gegenübers konnte ich wunderbar lesen und konnte alles reininterpretieren.

Zudem hatte ich andere Werte, als sie in den Unternehmen, wo ich war, gelebt wurden. Ich bin ein Vertrauensmensch und liebe es mit Menschen zusammen zu arbeiten. Da hilft mir kein Druck, kein Profit-Denken, kein Ellenbogen-Einsetzen. Klar, habe ich mich angepasst, schliesslich halten das alle irgendwie aus. Ich bin doch nicht anders, oder? Also Zähne-Zusammenbeissen und durch. Zu Hause passt man sich den Nachbarn an, man tut dies oder jenes, nur um nicht aufzufallen. Und mit jeder Anpassung ging etwas in mir selbst verloren und die Seele wurde mit jedem Schritt der Anpassung eingeengter. Das macht sie anfangs mitgemacht, aber irgendwann ist es dann soweit, dass der Körper reagiert und die ersten kleinen Zipperlein beginnen und irgendwann wurden daraus grosse Krankheiten.

Was hat der Stress mit mir gemacht?

Stress verursacht viele Symptome und die Bandbreite bei mir war schon enorm. So lange es nicht schlimm ist, geht es ja noch. Einfach Zähne zusammenbeissen und durch. Leider geht dieses Zähne Zusammenbeissen gleich in den Nacken über und durch dessen Verspannung verspannen sich weitere Teile des Rückens und mit jeder Verspannung, kann die Energie weniger frei fliessen.

Ein Symptom, was schleichend kommt und damit schön ignoriert werden kann, ist der Schlafmangel. Anfangs habe ich es eigentlich gar nicht wahrgenommen. Der Körper braucht aber die Nacht mindestens, um das Essen zu verdauen. Folge davon war: Ich nahm zu, ich bekam Heisshunger-Attacken. Dass wiederum führt zu einem schlechten Schlaf und zu Magen-Darm-Problemen. Es kamen dann Allergien, Knieprobleme, Konzentrationsprobleme, Müdigkeit, Erschöpfung bis hin zu Panikattacken hinzu. Alles Dinge, die man von aussen nicht sieht, die man also wunderbar ignorieren kann.

Einer meiner Coaches fragte mich mal, ab wann ich denn wirklich grundsätzlich nicht mehr arbeiten und mich entspannen würde: Bei Magen-Darm-Problemen ja schon mal nicht, vielleicht bei Magen-Geschwür. Ich habe den Kopf geschüttelt; bei Magen-Blutungen? Sie meinte, die kann man noch ignorieren. Sie spann weiter: Mit einem Magendurchbruch kann man im Krankenhaus arbeiten. Ich ertappte mich dabei, dass ich ihr insgeheim zustimmte. Erst als sie meinte, dass das nächste wohl dann Krebs wäre, bin ich zur Besinnung gekommen. Ich war regelrecht schockiert, was ich alles in Kauf genommen hätte.

Ich hörte danach zwar besser auf meinen Körper, ging früher zum Arzt, aber erst als ich in einem Meeting merkte, wie mir gerade regelrecht mein Rückgrat brechen wollte, habe ich die Reissleine gezogen.

Seit dem sind einige Monate vergangen: ich bin nun als selbstständig, bin wieder zurück in der Schweiz. Der erste Besuch bei meiner Heilpraktikerin brachte es dann ziemlich auf dem Punkt: „Die Jahre in Deutschland haben dir aber nicht gut getan.“ Jetzt langsam merke ich, wie ich mich entspanne und endlich wieder gut schlafen kann und damit alle anderen körperlichen Beschwerden zurückgehen.

Was habe ich getan, damit ich Stress abbaue?

Ich habe eine hohe Intuition und hatte relativ früh gemerkt, dass ich an meiner Psyche arbeiten musste. Anfangs bin ich nicht gegangen, um mir was Gutes zu tun, sondern um im Job noch besser zu sein, um Familie, Haushalt, Beruf besser unter einen Hut zu bekommen. Ich bin dabei zu vielen guten Coaches gegangen. Ich erinnere mich an so manche Sitzung, wo bestimmte Themen verarbeitet wurden und der Rücken regelrecht in der Sitzung knackte.

In der Schweiz war ich regelmässig joggen. In Deutschland habe ich es erstmal aufgegeben. Mit Müdigkeit und Knieproblemen hat man da viele schöne Ausreden. Jetzt wieder zurück macht es wieder Spass sich auszupowern.

Zudem hatte ich mit Yoga angefangen. Erst mit Hatha-Yoga. Ich persönlich fand es grauenvoll. Dieses ewige Dehnen. Nun ist mir bewusst, dass ich durch den Stress viele Verspannungen, Blockaden im Körper hatte, so dass man ich mich nicht mehr so einfach verbiegen konnte. Da hilft es auch nicht, wenn der Yoga-Lehrer noch weiter drückt, damit ich endlich in die Position des „Herausschauenden Hundes“ komme. Ich habe es relativ schnell aufgegeben. Jetzt übrigens, wo der Stress nachlässt, komme ich recht schnell in die Position.

Per Zufall bin ich dann auf Kundalini-Yoga gestossen. Ich kann es jedem empfehlen. Die Übungen sind leichter, weil der Schwerpunkt eher darauf liegt Übungen in einer bestimmten Reihenfolge durchzuführen. Bei meiner Lieblingsübung fängt man im unteren Rückenbereich an und arbeitet sich nach oben und ich spüre jedes Mal, wie die nächste obere Rückpartie mit der zusätzlichen Energie, die nun von unten fliesst, noch nicht zurecht kommt und bearbeitet werden möchte.

Mein Fazit

Mein Fazit ist daher, man muss die Ursache des Stresses finden. Ja, klar kann der Job oder der Kollege blöd sein. Der ist aber selbst nicht an meinen eigenen Stress schuld. Sondern ich habe gelernt, dass es mich nur mit meinen eigenen Problemen konfrontiert. So lange ich das nicht aufarbeite, hat mich das Schicksal immer wieder an die gleichen Zustände gebracht. Erst als ich herausfand, was genau mir den Stress bereitete, konnte ich Blockaden lösen; zum einen habe ich mein Verhalten geändert und der Mensch, der mich bis dahin tierisch nervte, war mir auf einmal völlig gleichgültig oder ich fand wieder Spass am Job oder ich änderte einen Teil meines Lebens. Zum anderen wurden mit jeder psychischen Blockade bei mir auch auch körperliche Blockaden abgebaut. Irgendwann konnte ich wieder besser schlafen und Sport fing dann auch wieder an Spass zu machen.

Ihr seid alle wertvoll, ohne etwas tun zu müssen.

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