Disziplin: Zwischen müssen und wollen?

Es ist erstaunlich, wie viele glauben, dass Disziplin immer mit Anstrengung verbunden ist. Auch bei mir. Morgens bin ich kaum aus dem Bett gekommen, weil ich… ach ja arbeiten «muss». Heute ist meine Motivation eine völlig andere. Ich stehe auf und freue mich darauf, was der Tag mir heute bringen wird. Ich «will» also aufstehen.

Warum wollen wir oft weniger, aber müssen mehr?

Als Erwachsene sind wir oft erstaunt, wenn nicht gar irritiert, wenn Kinder sagen «Ich will…». Und vielleicht ist es sogar trotzig, wenn es das, was es will nicht bekommt. Wir selbst sind dann überfordert und tadeln oft unsere Kinder. «Wir haben nichts zu wollen.» oder «Das Leben ist halt kein Ponyhof». Glaubenssätze, die wir selbst erlernt haben. Wir lernen,  dass eigene Wollen zu unterbinden, nicht mehr auf das eigene Herz zu hören und irgendwann alles als Pflicht zu sehen, der wir uns demütig und bescheiden zu richten haben.

Warum sollten wir mehr wollen als müssen?

Der Unterschied zwischen Wollen und Müssen beginnt aber schon mit dem Start in den Tag: Wenn ich morgens mit einem «müssen» aus dem Bett aufstehe, dann bin ich gedanklich in der Zukunft, vielleicht schon, bei einem  schwierigen Kollegen oder Meeting oder ich denke jetzt schon über eine bestimmten Aufgabe nach – und das alles bevor ich überhaupt den ersten Kaffee getrunken habe, bevor ich duschen war etc. Disziplin geht so mit etwas Schwerem oder gar Anstrengendem einher.

Wenn ich stattdessen mit der Motivation «Ich bin gespannt, was der Tag heute so bringen wird» aufstehe, dann ist die Energie gleich eine andere. Dann bin ich neugierig, positiv gespannt. Ich bin im Hier und Jetzt und bin ganz und gar Ich selbst und vollständig anwesend, kann meine Dusche und den Kaffee geniessen. Disziplin fühlt sich leichter an, beschwingter.

Mit der beschwingten Disziplin, bin ich im Hier und Jetzt und kann mich auf Impulse einlassen, die mir nur im Moment auffallen. Momente, die neue Begegnungen und Kooperationen bereithalten, die neue Projekte und/oder neue Wege, neue Lösungen zeigen. Und so gehen Aufgaben, Projekte viel leichter und mit weniger Anstrengung von der Hand.

Je verkrampfter wir den Tag starten, desto mehr sollten wir überlegen, wieviel müssen ist in uns, wieviel Pflicht. Hier sollten wir genau schauen, was macht den Tag zur Pflicht, zu einem Müssen. Dann können wir diese Gründe loslassen und mehr Disziplin mit Leichtigkeit und Unbeschwertheit verbinden.