Früher wollte ich, Antworten zu finden. Mir war es unangenehm, keine Antwort zu haben, keine Lösung zu präsentieren. Ich dachte ich versage.

Heute stelle ich vor allem Fragen. Denn gute Fragen verändern oft mehr als die beste Antwort.

Es gab mal eine Zeit als Menschen überzeugt waren, die Erde sei eine Scheibe. Damals passte diese Vorstellung zu dem, was sie beobachten konnten. Mit den Erkenntnissen ihrer Zeit war sie schlüssig.

Erst neue Erfahrungen veränderten das Bild. Nicht die Erde hatte sich verändert, sondern unser Verständnis von ihr.

Dieser Gedanke begleitet mich bis heute. Ich habe Überzeugungen. Viele sogar.

Aber ich versuche, sie nicht mit Gewissheiten zu verwechseln. Denn jede neue Erfahrung kann mein bisheriges Verständnis verändern. Manchmal fühlt es sich so an, als würde ein Puzzleteil, mein gesamtes Weltbild verändern.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich so viele Fragen stelle.

Wenn jemand von Vertrauen spricht, interessiert mich nicht die Definition. Mich interessiert, woran dieser Mensch merken würde, dass Vertrauen entstanden ist.
Wenn ein Team ein gemeinsames Ziel formuliert, frage ich, was in drei Jahren anders wäre, wenn dieses Ziel erreicht ist.

Nicht, weil ich die richtige Antwort suche, sondern weil ich verstehen möchte, welche Erfahrungen, Annahmen und Überzeugungen hinter den Worten stehen.

Denn wir entscheiden nicht aufgrund der Welt, wie sie ist. Wir entscheiden aufgrund der Welt, wie wir sie im Moment verstehen.

Vielleicht beginnt Veränderung deshalb nicht mit einer neuen Antwort.
Sondern mit einer Frage, die unser bisheriges Verständnis erweitert.

Welche Überzeugung erscheint dir heute selbstverständlich und was müsste passieren, damit du sie noch einmal neu betrachtest?