Ich habe mich lange mit Haltung und Wirkung beschäftigt und tue es immer noch. Eine vollständige Antwort darauf, was Haltung eigentlich ist und wie sie Wirkung erzeugt, habe ich nicht. Aber ich merke, dass sich über die Jahre ein Bild entwickelt hat, das ich hier teilen möchte.
Ich selbst hatte lange keine Haltung. Zumindest keine bewusste. Ich war sehr angepasst, wollte nicht anecken und wollte vor allem, dass andere Menschen mich mögen. Also richtete ich mein Verhalten stark an meinem Gegenüber aus. Ich fragte mich: Darf ich das? Was erwartet die andere Person von mir? Wie kommt das an? Was soll ich tun, damit die Situation gut bleibt?
Damit brauchte ich viel Anerkennung und Bestätigung von aussen. Und meine Wirkung entstand entsprechend nicht wirklich aus mir heraus. Mein Kopf schaltete sich als Instanz dazwischen und prüfte, was gerade von mir erwartet wurde. Meine Wirkung konnte sich dadurch verändern, je nachdem, wem ich gegenüberstand. Damit war auch klar, dass Entscheidungen abhängig vom Gegenüber waren. Und so konnte ich meine Handlungen nicht immer klar begründen.
Heute ist das anders. Ich stehe für etwas und zwar Fragen zu stellen, um nicht einfach irgendwas zu machen, sondern etwas zu machen, damit es wirklich einen Mehrwert bringt. Damit ecke ich oft automatisch an. Denn ich verlangsame Handlungen. Aber dadurch wird klarer für andere, wofür ich stehe und wofür sie mich in Meetings, Workshops etc. einholen, welchen Mehrwert ich liefern kann. Heisst, vielleicht auch, dass ich nicht mehr überall eingeholt werde. Damit also meine Wirkung klarer.
Haltung ist für mich nicht das, was wir über uns sagen. Haltung wird sichtbar in dem, was wir entscheiden.
Das gilt für Menschen, aber genauso für Produkte, Teams und Organisationen. Wenn ein Unternehmen etwas tut, weil es der Markt erwartet, weil andere Unternehmen es auch tun oder weil es damit vermutlich erfolgreich sein wird, kann das eine sehr vernünftige Entscheidung sein. Aber vielleicht entsteht dadurch noch keine eigene Linie. Dann versucht eine Produktvision vielleicht, möglichst viele Erwartungen abzuholen. Sie möchte möglichst vielen Menschen einen Mehrwert bieten und entwickelt dadurch vielleicht auch Dinge, die nicht jeder braucht. Das kann in der Entwicklung viel kosten, ohne dass für die einzelnen Kundinnen und Kunden tatsächlich ein grösserer Mehrwert entsteht.
Das kann funktionieren. Aber es kann auch dazu führen, dass von aussen irgendwann nicht mehr klar erkennbar ist, wofür dieses Produkt oder dieses Unternehmen eigentlich steht. Und dann wird es für Kundinnen und Kunden schwieriger zu entscheiden, welches Produkt für sie passend ist. Vielleicht wird am Ende stärker über den Preis entschieden, weil andere Unterscheidungsmerkmale nicht mehr klar erkennbar sind.
Wenn ich eine Haltung habe, habe ich bewusst viele Entscheidungen getroffen, die vielleicht nicht besonders populär sind oder nicht für die Masse funktionieren. Aber genau daraus entsteht eine Produktlinie. Das Produkt spiegelt all diese Entscheidungen wider. Ich spreche bewusst bestimmte Menschen an. Ich habe mich bewusst gegen bestimmte Features entschieden. Und ja, ich bin dann vielleicht nicht mehr so günstig. Aber ich kann begründen, warum ich das Produkt so entwickelt habe, wie ich es entwickelt habe. Damit ziehe ich vielleicht nicht mehr jeden Menschen an, aber die Menschen, denen ich wirklich einen Mehrwert schaffen will.
Je klarer eine Haltung wird, desto bewusster können Entscheidungen aus ihr heraus getroffen werden. Und wenn Entscheidungen, Handlungen und Kommunikation auf derselben Haltung beruhen, entsteht Kongruenz. Vielleicht ist genau das ein Teil dessen, was wir als Wirkung wahrnehmen: Nicht, dass etwas besonders laut oder auffällig ist, sondern dass etwas in sich stimmig ist.
Haltung wird dort sichtbar, wo wir bewusst entscheiden, wozu wir Ja sagen, wozu wir Nein sagen und bereit sind, die Konsequenzen dafür zu verantworten.
Was würde sich in deiner Wirkung verändern, wenn deine Haltung klarer wäre?

