Ich erinnere mich an einen Vortrag, in dem ich alle Teilnehmenden dieselbe Frage beantworteten liess.
Äusserlich schien die Antwort einfach. Alle wollten in dem Fall mehr Gelassenheit.
Als wir genauer hinschauten, wurde deutlich, dass wir über völlig unterschiedliche Dinge sprachen.
Für die eine bedeutete Gelassenheit, endlich wieder ruhig schlafen zu können. Für den anderen, im Beruf klarer Entscheidungen zu treffen. Jemand anderes wollte sich weniger anpassen.
Obwohl alle dasselbe Wort verwendeten, meinte jede und jeder etwas anderes.
Seitdem bin ich vorsichtig geworden, wenn Menschen sagen, sie hätten ein bestimmtes Ziel. Oder wenn Gruppen davon sprechen, ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. Oft fallen dann Begriffe wie „agiler werden“, „mehr Verantwortung übernehmen“ oder „transformationsfähig sein“.
Dass wir dasselbe Wort verwenden, bedeutet noch nicht, dass wir dasselbe darunter verstehen.
Mich interessiert deshalb, welche Vorstellungen Menschen mit diesen Worten verbinden. Eine Frage, die dabei helfen kann, ist: Was wäre in drei Jahren anders als heute, wenn dieses Ziel erreicht wäre?
Plötzlich wird aus einem abstrakten Begriff etwas, das sich konkreter beschreiben lässt. Woran würden wir merken, dass wir gelassener, agiler oder transformationsfähiger geworden sind? Was würden wir anders tun? Was könnten wir beobachten? Und was würde sich für die einzelnen Beteiligten verändern?
Dabei müssen nicht alle Antworten gleich sein. Vielleicht werden gerade durch die Unterschiede Annahmen, Erwartungen oder auch Spannungen sichtbar, die hinter einem vermeintlich gemeinsamen Ziel liegen.
Gemeinsame Orientierung entsteht für mich deshalb nicht unbedingt dadurch, dass alle dasselbe Bild haben. Sondern zunächst dadurch, dass wir verstehen, welche unterschiedlichen Bilder wir mit einem gemeinsamen Ziel verbinden.
Auf dieser Grundlage können wir gemeinsam entscheiden, was wir tatsächlich erreichen wollen und welche Wege dafür sinnvoll erscheinen.
Was würde sich für dich konkret verändern, wenn dein Ziel erreicht wäre?
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