Lange dachte ich, Durchhalten sei eine Stärke.
Heute frage ich mich manchmal, ob ich einfach nicht gemerkt habe, wie oft ich gegen mich selbst gekämpft habe.
Bei mir beginnt das ganz unscheinbar. Der Kiefer spannt sich an. Erst kaum merklich. Dann presse ich die Zähne zusammen. Irgendwann wird die Spannung so stark, dass sie sich nicht mehr übersehen lässt.
Früher habe ich das kaum wahrgenommen. Heute weiss ich, dass mein Körper oft früher reagiert als ich selbst. Er unterscheidet nicht zwischen wichtigen Aufgaben und fremden Erwartungen. Er zeigt mir nur, dass etwas nicht mehr stimmig ist.
Als ich begann, genauer hinzuhören, wurde mir etwas bewusst. Ich kämpfte nicht nur in schwierigen Situationen. Ich hatte das Kämpfen gelernt. Ich lernte durchzuhalten, Erwartungen zu erfüllen und selten zu hinterfragen, ob sie überhaupt meine waren.
Durchhalten fühlte sich richtig an. Loslassen dagegen wie Aufgeben.
Heute sehe ich das anders. Loslassen bedeutet für mich nicht, etwas hinzuschmeissen.
Es bedeutet, ehrlich zu fragen:
Wofür kämpfe ich gerade eigentlich?
Ist es wirklich mein Weg?
Oder folge ich einer Gewohnheit, die einmal sinnvoll war und heute längst nicht mehr zu mir passt?
Mein Kiefer erinnert mich noch immer daran. Nicht, damit ich sofort loslasse, sondern damit ich innehalte.
Manchmal reicht es, den eigenen Kampf überhaupt wahrzunehmen.
Vielleicht beginnt Loslassen deshalb nicht mit einer Entscheidung.
Vielleicht beginnt es damit, dem eigenen Körper zuzuhören.
Woran merkst du, dass du gerade gegen dich selbst kämpfst?


