Früher habe ich auf Sätze wie „Kannst du mal kurz …?“ fast immer mit Ja geantwortet.
Ich fühlte mich gebraucht, wollte helfen und niemanden enttäuschen. Dass aus dem kurzen Gefallen manchmal Stunden wurden, fiel mir oft erst später auf.
Heute höre ich solche Bitten anders. Nicht, weil ich misstrauischer geworden bin, sondern weil ich gelernt habe, dass Zeit und Aufmerksamkeit nicht selbstverständlich sind.
Wenn jemand sagt: „Kannst du mal kurz …?“, frage ich: Wie viel Zeit wird es brauchen? Welche Rolle soll ich übernehmen? Was wird mit meinem Beitrag geschehen?
Nicht, weil ich weniger helfen möchte, sondern weil Klarheit für beide Seiten fairer ist. Ich habe gelernt, Anfragen abzulehnen, bei denen ich keinen wirklichen Mehrwert schaffen kann. Wenn ich heute Ja sage, dann mit Zeit, Aufmerksamkeit und der Überzeugung, etwas Sinnvolles beizutragen.
Mir ist dabei noch etwas anderes aufgefallen.
Immer dann, wenn ich Ja sagte, obwohl ich innerlich gezögert hatte, entstand später oft Ärger. Lange dachte ich, dieser Ärger richte sich gegen die andere Person.
Heute sehe ich das anders. Er zeigte mir meistens, dass ich selbst keine bewusste Entscheidung getroffen hatte. Dass ich zugesagt hatte, bevor ich überhaupt wusste, ob ich wirklich Ja sagen wollte.
Vielleicht ist Klarheit deshalb gar nicht das Gegenteil von Höflichkeit.
Vielleicht ist sie eine Form von Respekt.
Wie entscheidest du, ob aus einem „Kannst du mal kurz …?“ ein Ja wird?


