Lessons Learned scheitern selten am Prozess. Sie scheitern an der Angst vor Schuld.

Solange in einem System unklar ist, wer am Ende verantwortlich gemacht wird, geht es nicht um Lernen, sondern um Selbstschutz. Genau das habe ich in einem Lessons Learned selbst erlebt.

Nach einem schwerwiegenden Bug in einem Grossprojekt lud ich alle Beteiligten zu einer Nachbesprechung ein. Noch bevor wir starten konnten, fiel der Satz:
Es ist doch klar, dass dein Mitarbeiter schuld ist.

Die Situation eskalierte sofort. Verteidigung, Rechtfertigung, Angst. Lernen war nicht möglich.
Ich unterbrach das Gespräch und sagte: „Ich bin schuld.

Die Wirkung war unmittelbar. Die Spannung fiel ab, der Raum wurde ruhiger, und wir konnten sachlich arbeiten. Lange hielt ich diese Reaktion für mutig.

Heute sehe ich sie anders. Ich habe das Muster beruhigt, aber nicht verändert. Ich habe Schuld auf mich genommen, statt sie als kulturelles Muster sichtbar zu machen. Das System war für den Moment entlastet, aber unverändert.

Schuldkultur ist ein erlerntes Muster. Und solange sie wirkt, bleiben Lessons Learned ein Ritual statt ein Lernraum.

Wirkliches Lernen beginnt dort, wo Vertrauen besteht: dass Verantwortung nicht zur Schuld wird und Fehler genutzt werden, um gemeinsam für die Zukunft zu lernen.

Genau dort beginnt heute meine Arbeit.

Weiterführende Informationen

Weitere Detaillierte Anleitung zu Lessons Learned:
Asana: Lessons Learned – Definition, Prozess und Beispiele
Hier lesen (Letzter Zugriff: 12.02.2025)

Lessons Learned Guidelines und Beispiel
Atlas: Lessons learned guidelines and examples. And how to automate them for project management
Hier lesen (Letzter Zugriff: 12.02.2025)

Methoden schaffen Struktur. Haltung schafft Lernen.

Ich habe damals bewusst auf eine strukturierte Lessons-Learned-Methode gesetzt, um den Raum zu halten. Methoden können helfen, Ordnung zu schaffen. Sie ersetzen jedoch nicht die Auseinandersetzung mit der Schuldkultur, die im System wirkt.