Neulich bin ich über einen Beitrag gestolpert, der erklärte, wie Führungskräfte erschöpfte Teams wieder motivieren können.

Mein erster Gedanke war: Vielleicht stellen wir die falsche Frage.

Denn Erschöpfung ist für mich nicht das Problem. Sie ist das Symptom.

Ich weiss das, weil ich beide Seiten kenne. Ich war Teil eines erschöpften Teams. Und ich war die Führungskraft, die glaubte, empathisch zu führen.
Ich hörte zu. Ich wollte Verständnis zeigen. Aber ich wollte auch Konflikte vermeiden. Ich wollte für mein Team da sein. Damals war ich überzeugt, dass genau das gute Führung ausmacht.

Heute sehe ich das anders. Rückblickend erkenne ich, dass ich Verantwortung übernommen habe, die nicht meine war. Ich habe zu selten Grenzen gesetzt, Erwartungen ungeprüft weitergegeben und Harmonie bewahrt, wo Klarheit notwendig gewesen wäre.

Nicht, weil es mir an Fürsorge fehlte, sondern weil ich Führung mit Harmonie verwechselt habe.

Die Erschöpfung meines Teams begann nicht erst in dem Moment, als sie sichtbar wurde. Sie entstand viel früher – in vielen kleinen Entscheidungen, in fehlenden Prioritäten, in unausgesprochenen Erwartungen und auch in meiner eigenen Angst, anzuecken oder Nein zu sagen.

Heute verstehe ich Führung anders. Für mich beginnt sie nicht dort, wo Menschen erschöpft sind und wieder motiviert werden sollen. Sie beginnt viel früher:
Bei Klarheit. Bei Prioritäten. Bei Verantwortung. Und manchmal auch beim Mut, Erwartungen zu hinterfragen oder bewusst Nein zu sagen.

Empathie bleibt für mich wichtig. Aber sie ersetzt keine Klarheit.

Wenn Menschen dauerhaft erschöpft sind, frage ich deshalb nicht zuerst, wie wir sie wieder motivieren können.

Ich frage zuerst: Was hat überhaupt dazu geführt?

Denn Erschöpfung ist selten das eigentliche Problem. Sie ist ein Symptom, dessen Ursachen oft schon lange vorher entstanden sind.

Fragst du zuerst nach der Motivation oder nach den Ursachen der Erschöpfung?

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