Lange dachte ich, ich könne keine Grenzen setzen. Heute glaube ich, dass das eigentliche Problem ein anderes war. Ich kannte meine Grenzen gar nicht.

Ich bin sehr angepasst aufgewachsen: ch bin angepasst aufgewachsen: Nicht anecken, nett sein, mitgehen. Also sagte ich oft Ja, obwohl ich innerlich wahrscheinlich schon längst Nein meinte. Ich übernahm Aufgaben, die mich überforderten, hörte über verletzende Bemerkungen hinweg und war überzeugt, vieles allein schaffen zu müssen.

Eine Zeit lang funktionierte das.

Bis es nicht mehr funktionierte. Besonders deutlich wurde mir das in meiner Zeit als Führungskraft. Ich wollte Verantwortung übernehmen, mein Team schützen und niemanden enttäuschen. Also versprach ich Dinge, obwohl ich spürte, dass wir sie als Team kaum würden tragen können.

Heute weiss ich, dass ich damit weder mir noch meinem Team geholfen habe. Erst als ich mit Burnout krankgeschrieben wurde, musste ich mir eine unbequeme Frage stellen:
Wo habe ich meine eigenen Grenzen eigentlich übergangen?

Diese Frage hat meinen Blick verändert. Ich habe verstanden, dass Grenzen setzen nicht mit einem Nein beginnt.

Es beginnt damit, die eigenen Grenzen überhaupt wahrzunehmen.

Oft waren es kleine Momente, die mir zeigten, dass ich mich selbst überging. Ein kurzer Anflug von Ärger. Ein ungutes Gefühl. Der Wunsch, etwas anderes sagen zu wollen. Und trotzdem schluckte ich es herunter.

Heute höre ich genauer hin. Nicht, weil ich immer Nein sagen möchte, sondern weil ich verstehen will, was mir diese Reaktion zeigt.

Denn erst wenn ich meine eigene Grenze erkenne, kann ich sie auch benennen.
Ohne Rechtfertigung.
Ohne Schuldzuweisungen.

Ein Nein fühlt sich deshalb manchmal ungewohnt an. Nicht, weil es falsch ist, sondern weil wir lange etwas anderes gelernt haben.

Heute erlebe ich, dass klare Grenzen nicht trennen. Sie schaffen Orientierung.

Für mich selbst. Und für die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite.
Vielleicht beginnt Grenzen setzen deshalb gar nicht mit Mut.
Vielleicht beginnt es mit Ehrlichkeit.

Woran merkst du, dass du gerade eine eigene Grenze übergehst?

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