Früher wollte ich, Antworten zu finden. Mir war es unangenehm, keine Antwort zu haben, keine Lösung zu präsentieren. Ich dachte ich versage.

Heute stelle ich vor allem Fragen.

Nicht, weil Antworten unwichtig geworden sind, sondern weil ich gemerkt habe, dass eine Frage manchmal etwas sichtbar macht, das in einer schnellen Antwort verborgen geblieben wäre.

Ich habe Überzeugungen. Viele sogar.

Aber ich versuche, sie nicht mit Gewissheiten zu verwechseln.

Denn neue Erfahrungen, Beobachtungen oder Perspektiven können mein bisheriges Verständnis verändern. Manchmal kommt etwas hinzu, das plötzlich auch andere Dinge in einem neuen Licht erscheinen lässt.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich so viele Fragen stelle.

Wenn jemand von Vertrauen spricht, interessiert mich nicht nur die Definition. Mich interessiert, woran dieser Mensch merken würde, dass Vertrauen entstanden ist.

Wenn ein Team ein gemeinsames Ziel formuliert, frage ich, was anders wäre, wenn dieses Ziel erreicht wäre.

Und wenn eine Erklärung für ein Problem sehr selbstverständlich erscheint, interessiert mich, welche Beobachtungen eigentlich dafür sprechen – und was möglicherweise dagegen.

Nicht, weil ich die richtige Antwort suche. Sondern weil ich verstehen möchte, welche Beobachtungen, Erfahrungen und Annahmen hinter unserem bisherigen Verständnis stehen.

Denn wir entscheiden nicht aufgrund der Welt, wie sie ist. Wir entscheiden auf Grundlage dessen, was wir von ihr wahrnehmen und wie wir das Wahrgenommene im Moment verstehen.

Vielleicht braucht Veränderung deshalb nicht immer sofort eine neue Antwort.

Manchmal braucht es zuerst eine Frage, die unser bisheriges Verständnis erweitert.

Welche deiner Überzeugungen erscheint dir heute selbstverständlich und was könnte dich dazu bringen, sie noch einmal neu zu betrachten?

Weitere Gedanken zu diesem Thema

  • Agilität bedeutet vielleicht nicht, weniger Regeln zu haben

    Agilität bedeutet nicht unbedingt weniger Regeln. Entscheidend könnte sein, Regeln sichtbar zu machen, zu hinterfragen und verändern zu können.

  • Wenn niemand etwas falsch macht und trotzdem ein Problem entsteht

    Warum sichern Mitarbeitende Entscheidungen ab und Führungskräfte greifen immer stärker ein? Ein Beispiel dafür, wie sich nachvollziehbares Verhalten gegenseitig verstärken kann.

  • Wenn wir ein Ergebnis mit seiner Ursache verwechseln

    Warum springen wir von beobachtetem Verhalten so schnell zu Lösungen? Wer die Bedingungen hinter einem Verhalten untersucht, entdeckt neue Handlungsmöglichkeiten.

  • Agilität bedeutet vielleicht nicht, weniger Regeln zu haben

    Agilität bedeutet nicht unbedingt weniger Regeln. Entscheidend könnte sein, Regeln sichtbar zu machen, zu hinterfragen und verändern zu können.