Meine Grosseltern waren Segellehrer und boten regelmässig Törns an der Côte d’Azur an.
Mein Opa wollte vor allem segeln. Meine Oma fand: Wenn wir schon hier sind, sollten die Menschen auch etwas davon sehen. Deshalb wollte sie gerne nach St. Tropez. Mein Opa war skeptisch. Zu weit und wenn das Wetter umschlägt, kommen wir vielleicht nicht rechtzeitig zurück. Meine Oma gewann eigentlich immer. 😄
Einmal erwischte uns dort tatsächlich der Mistral – ein heftiger, regengepeitschter Sturm, der das Meer innerhalb kürzester Zeit ziemlich ungemütlich machen konnte.
Wir mussten zurück zu unserem Starthafen. Einige unserer Mitsegler wurden allerdings schon bei deutlich weniger Seegang seekrank. Also änderten wir den Plan. Die einen fuhren mit dem Zug zurück. Wir anderen segelten mit kleiner, erfahrener Crew los. Und es wurde eine ziemliche Achterbahnfahrt. Aber für diejenigen, die dabei waren, war die Erfahrung unbezahlbar. Sie verlangte uns einiges ab und genau das machte sie so wertvoll.
Vielleicht gefällt mir das Segeln deshalb als Bild für Veränderung.Wir können ein Ziel wählen, einen Kurs setzen und uns überlegen, wie wir dorthin kommen. Aber wir entscheiden nicht über Wind, Wellen oder Strömung. Und manchmal wissen wir noch nicht einmal genau, wohin wir wollen. Vielleicht wissen wir nur, dass wir dort, wo wir gerade sind, nicht bleiben möchten. Auch dann können wir einen Kurs setzen.
Eine Entscheidung muss nicht endgültig sein, um bewusst getroffen zu werden.
Wir entscheiden auf Grundlage dessen, was wir gerade wissen. Unsere Informationen können unvollständig sein. Unsere Annahmen können sich als falsch erweisen. Und unterwegs kann etwas passieren, das wir nicht vorhergesehen haben. Dann können wir unseren Kurs verändern.
Das gilt auch für Organisationen. Wir können uns für eine Strategie, eine Methode oder eine Veränderung entscheiden. Aber mit der Entscheidung bestimmen wir noch nicht, was dadurch entstehen wird. Wir können beobachten, was passiert, daraus lernen und neu entscheiden.
Vielleicht stellen wir fest, dass ein anderer Weg besser passt. Vielleicht verändert sich unser Ziel. Vielleicht merken wir sogar, dass es dort, wo wir inzwischen angekommen sind, ganz schön ist.
Ein Kompass gibt keinen Weg vor. Er hilft uns, uns unterwegs immer wieder neu zu orientieren.
Wann hast du zuletzt einen Kurs gesetzt und ihn unterwegs verändert?
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