Wir sprechen oft über Veränderung und denken dabei an neue Methoden, Tools, Prozesse oder Schulungen.
Mich interessiert inzwischen noch etwas anderes: Was passiert, wenn wir uns in einer vertrauten Situation anders entscheiden als bisher?
Unser Alltag ist voller eingespielter Muster. Wir haben Erwartungen daran, wie andere reagieren werden, und richten unser eigenes Handeln daran aus. Das gibt Orientierung und bleibt häufig unbemerkt.
Ein einfaches Beispiel: Eine Führungskraft gibt einem Mitarbeitenden eine neue Aufgabe. Wie so oft sagt der Mitarbeitende zu, obwohl er eigentlich keine Kapazität mehr hat. Beide handeln innerhalb einer vertrauten Situation, ohne dass ihnen die zugrunde liegenden Erwartungen bewusst sein müssen.
Wenn sich solche Situationen wiederholen, kann Überlastung entstehen. Vielleicht reagieren wir darauf mit Gesprächen über Eigenverantwortung, Priorisierung oder Resilienz. Vielleicht führen wir neue Methoden oder Tools ein.
Das kann hilfreich sein. Aber es lohnt sich auch, die Situation selbst genauer anzuschauen.
Was erwartet die Führungskraft, wenn sie eine weitere Aufgabe übergibt? Was glaubt der Mitarbeitende, was von ihm erwartet wird? Was würde vermutlich passieren, wenn er Nein sagt? Und worauf beruhen diese Erwartungen eigentlich?
Vielleicht fragt die Führungskraft irgendwann: „Hast du dafür überhaupt noch Kapazität?“
Auch diese Frage verändert noch nicht automatisch etwas. Vielleicht traut sich der Mitarbeitende nicht, ehrlich zu antworten. Vielleicht weiss er selbst nicht, wie ausgelastet er tatsächlich ist. Vielleicht sagt er Nein – und bekommt trotzdem die Aufgabe.
Interessant wird es dort, wo etwas anders geschieht als bisher.
Die Führungskraft könnte die Antwort ernst nehmen und gemeinsam Prioritäten betrachten. Der Mitarbeitende könnte seine Kapazität offen ansprechen. Beide könnten beobachten, was dadurch passiert.
Vielleicht entsteht daraus eine neue Erfahrung. Vielleicht zeigt sich aber auch, dass hinter der Situation noch ganz andere Bedingungen liegen, die eine einzelne Entscheidung nicht verändern kann.
Veränderung muss deshalb für mich nicht immer mit einer grossen Initiative beginnen. Manchmal beginnt sie in einer alltäglichen Situation, in der wir unser bisheriges Handeln wahrnehmen und etwas anderes ausprobieren.
Was daraus entsteht, wissen wir vorher nicht. Aber genau das können wir beobachten.
In welcher wiederkehrenden Situation würdest du gerne einmal etwas anderes ausprobieren?
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