Ich denke immer wieder darüber nach, was Haltung eigentlich bedeutet. Vielleicht auch deshalb, weil ich lange sehr viel Halt im Aussen gesucht habe.

Ich wollte nicht anecken, wollte gemocht werden und habe mein Verhalten stark an meinem Gegenüber ausgerichtet. Wenn eine Situation sich für mich unsicher anfühlte, versuchte ich herauszufinden, was von mir erwartet wurde, und mein Verhalten entsprechend anzupassen.

Das gab mir Orientierung. Wenn mein Gegenüber zufrieden war, schien auch mein Verhalten richtig zu sein.

Heute versuche ich stärker wahrzunehmen, was gerade passiert, was mir selbst wichtig ist und wie ich handeln möchte. Manchmal führt das dazu, dass ich mich anders verhalte als früher. Vielleicht spreche ich etwas an, das ich früher nicht gesagt hätte. Vielleicht gehe ich in einen Konflikt, den ich vermieden hätte. Vielleicht sage ich Nein.

Und dann reagiert mein Gegenüber vielleicht irritiert. Es entsteht Spannung. Plötzlich tauchen die alten Fragen wieder auf:
War das jetzt zu viel? Habe ich etwas falsch gemacht? Hätte ich anders reagieren sollen?

Genau dort merke ich, wie leicht es ist, den Halt wieder im Aussen zu suchen.

Ich könnte meine Entscheidung zurücknehmen, nachgeben oder versuchen, die Spannung möglichst schnell aufzulösen. Nicht unbedingt, weil ich bewusst zu einer anderen Entscheidung gekommen bin. Sondern vielleicht einfach deshalb, weil sich das vertrauter und sicherer anfühlt.

Vielleicht bedeutet Haltung für mich genau das: mich selbst halten zu können, wenn meine Entscheidung im Aussen nicht sofort Bestätigung findet.

Das bedeutet nicht, dass ich an einer Entscheidung festhalten muss. Vielleicht habe ich etwas übersehen. Vielleicht verändert die Reaktion meines Gegenübers meinen Blick auf die Situation.

Ich darf meine Entscheidung prüfen und verändern. Aber wenn ich sie verändere, möchte ich das möglichst bewusst tun – und nicht nur deshalb, weil mir die Reaktion eines anderen den Halt genommen hat.

Denn wenn ich allein deshalb zurückgehe, bekommt meine bewusst getroffene Entscheidung vielleicht gar nicht die Chance, zu einer neuen Erfahrung zu werden.

Haltung bedeutet für mich deshalb nicht: „Ich weiss, dass ich richtig liege.“ Sondern: „Ich weiss, warum ich mich so entschieden habe. Und ich kann mich selbst halten, während ich noch nicht weiss, was daraus entsteht.“

Wo suchst du Halt, wenn deine Entscheidung im Aussen auf Irritation trifft?