Ich habe lange darüber nachgedacht, was Qualität eigentlich ist. Ich arbeite in der Qualitätsentwicklung und liebe dieses Thema. Vielleicht gerade deshalb, weil schon der Begriff ein Spannungsfeld öffnet:
Was ist überhaupt Qualität?
Ich habe mir viele Definitionen angeschaut, Gespräche geführt und überlegt, was Qualität für mich bedeutet. Dabei ist mir ein Interview mit Pierre-Alexis Dumas, dem künstlerischen Leiter von Hermès, im Gedächtnis geblieben.
Er wurde gefragt, wie Hermès auf die Idee der Verknappung gekommen sei. Seine Antwort war sinngemäss: Das sei keine Strategie – sie könnten schlicht nicht schneller produzieren.
Dieser kleine Ausschnitt ist mir im Kopf geblieben.
Denn von aussen lässt sich ein sichtbares Muster erkennen: begrenzte Verfügbarkeit. Man könnte dieses Muster übernehmen und daraus eine Strategie machen. Künstliche Verknappung kann schliesslich ebenfalls funktionieren.
Aber übernimmt man damit wirklich das, was zum ursprünglichen Ergebnis geführt hat?
Man sieht die Verknappung. Aber vielleicht nicht die Entscheidungen, die dahinterliegen. Welche Ansprüche gibt es an Handwerk und Herstellung? Was soll erhalten bleiben, auch wenn dadurch weniger produziert werden kann? Welche Kompromisse möchte man eingehen – und welche nicht?
Das sichtbare Ergebnis erzählt uns nicht automatisch, wie es entstanden ist.
Und genau da beginnt für mich die interessante Frage nach Qualität.
Denn wenn ich ein sichtbares Muster übernehme, übernehme ich nicht automatisch die Überlegungen, Werte und Entscheidungen, aus denen es in einem anderen Kontext entstanden ist.
Das gilt für Produkte genauso wie für Methoden, Prozesse oder Organisationsmodelle. Wir können beobachten, was anderswo funktioniert, und versuchen, es zu übertragen. Aber die sichtbare Lösung ist nur ein Teil dessen, was wir sehen müssten, um zu verstehen, warum sie dort sinnvoll erscheint.
Vielleicht bedeutet Qualität für mich deshalb weniger, einem bestimmten Vorbild zu entsprechen.
Vielleicht beginnt sie mit der Frage, worauf ich meine eigenen Entscheidungen stütze und ob das, was daraus entsteht, zu dem passt, was mir tatsächlich wichtig ist.
Oder etwas zugespitzter:
Glaubst du selbst an das, was du hier tust oder reproduzierst du etwas, von dem du glaubst, dass es funktioniert?
«Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn man nichts mehr hinzufügen, sondern wenn man nichts mehr weglassen kann.»
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