Wenn wir etwas verändern wollen, schauen wir oft zuerst auf das, was uns heute stört. Der Prozess ist zu kompliziert, Entscheidungen dauern zu lange, Zusammenarbeit funktioniert nicht oder Strukturen erscheinen nicht mehr passend.

Dann suchen wir nach einer Lösung.

Dabei ist das, was wir verändern möchten, Teil einer bestehenden Situation. Strukturen, Routinen und Muster sind unter bestimmten Bedingungen entstanden und mit anderen Dingen verbunden. Vielleicht geben sie Orientierung, schaffen Sicherheit, schützen Interessen oder ermöglichen etwas, das wir auf den ersten Blick gar nicht mit ihnen verbinden.

Wenn wir etwas verändern, verändern wir deshalb möglicherweise nicht nur das, was uns daran stört.

Wir verändern auch Beziehungen, Bedingungen und Möglichkeiten, die damit zusammenhängen.

Vielleicht möchte ich, dass Entscheidungen schneller getroffen werden. Aus meiner Perspektive erscheint es sinnvoll, Abstimmungen zu reduzieren. Aber weiss ich, was diese Abstimmung für dich bisher ermöglich hat?

Vielleicht wollen wir mehr Eigenverantwortung oder bereichsübergreifender zusammenarbeiten. Auch dadurch verändern sich möglicherweise Entscheidungsspielräume, Rollen, Zuständigkeiten oder Grenzen.

Was für aus meiner Perspektive wie eine sinnvolle Veränderung aussieht, kann an deiner Stelle etwas verändern, das wir bisher gar nicht gesehen haben.

Und manchmal bedeutet Veränderung auch, etwas nicht mehr zu tun.

Eine Routine. Eine Aufgabe. Eine Absicherung. Vielleicht auch etwas, das Menschen bisher Orientierung oder Einfluss gegeben hat.

Deshalb interessiert mich bei Veränderung nicht nur, was wir erreichen möchten.

Mich interessiert auch: Was verändert sich noch, wenn wir das verändern?

Was könnte dadurch möglich werden? Was könnte schwieriger werden? Wer wäre davon betroffen? Welche bisherigen Annahmen gelten vielleicht nicht mehr? Und welche Konsequenzen haben wir bisher noch gar nicht betrachtet?

Wir können diese Konsequenzen nicht vollständig vorhersehen. Manche werden erst sichtbar, wenn wir tatsächlich etwas verändern.

Aber wir können versuchen, nicht nur auf die gewünschte Wirkung zu schauen.

Denn eine gewünschte Zukunft entsteht nicht einfach dadurch, dass wir etwas Neues einführen. Wir treffen Entscheidungen, verändern damit Bedingungen – und beobachten, was daraus entsteht.

Vielleicht stellen wir dann fest, dass die Wirkung eine andere ist als erwartet. Vielleicht entdecken wir etwas, das wir vorher nicht gesehen haben. Und vielleicht müssen wir unsere Entscheidung noch einmal betrachten.

Veränderung bedeutet für mich deshalb auch, mögliche Konsequenzen mitzudenken, ohne so zu tun, als könnten wir sie vollständig vorhersehen.

Was könnte sich noch verändern, wenn du das veränderst, was dich heute stört?

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