Wir beobachten Verhalten meistens erst dann, wenn es bereits passiert.

Menschen sichern Entscheidungen bei ihrer Führungskraft ab. Wissen wird nicht geteilt. Konflikte werden nicht angesprochen.

Das DANN können wir sehen.

Schwieriger sind die Bedingungen, unter denen dieses Verhalten entsteht.
WENN ??? → DANN sichern Menschen Entscheidungen ab.

Wie können wir dieses unsichtbare WENN sichtbar machen?

Vielleicht nicht, indem wir sofort nach der Ursache fragen. Sondern indem wir Unterschiede suchen. Wann passiert es und wann nicht?
Welche Entscheidungen werden abgesichert? Welche nicht? Bei welchen Personen, Themen oder Situationen verändert sich das Verhalten?
Gerade die Ausnahmen können interessant sein. Denn wenn dasselbe Verhalten unter bestimmten Bedingungen nicht auftritt, unterscheiden sich diese Situationen offenbar in etwas.

Wir können auch vor und nach dem Verhalten schauen. Was passiert, bevor jemand eine Entscheidung absichert? Fehlen Informationen? Ist die Tragweite besonders gross? Gab es vorher bestimmte Erfahrungen?
Und was passiert danach?
Was erlebt jemand, der sich absichert? Und was erlebt jemand, der selbst entscheidet? Werden Entscheidungen mitgetragen? Werden sie später korrigiert? Welche Reaktionen folgen?

Interessant kann auch der Unterschied zwischen formalen und gelebten Regeln sein. Formal dürfen Mitarbeitende vielleicht selbst entscheiden. Gleichzeitig haben sie möglicherweise gelernt, dass bei bestimmten Entscheidungen doch eine Rücksprache erwartet wird. Und schliesslich können wir unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen.
Die Führungskraft sagt vielleicht: „Ihr könnt das selbst entscheiden.“
Mitarbeitende sagen: „Ja, aber wenn etwas schiefgeht, müssen wir uns rechtfertigen.“
Beides kann aus der jeweiligen Perspektive nachvollziehbar sein – und gerade der Unterschied kann uns etwas über mögliche Bedingungen zeigen.

So entsteht nach und nach vielleicht eine Hypothese:
WENN die Konsequenzen einer Entscheidung schwer rückgängig zu machen sind UND unklar ist, ob die Führungskraft die Entscheidung mitträgt → DANN wird häufiger abgesichert.

Ob das stimmt, wissen wir damit noch nicht.

Aber das WENN ist jetzt sichtbar genug, um darüber zu sprechen, es zu prüfen und vielleicht eine Bedingung zu verändern.

Danach können wir beobachten, was passiert.

Das unsichtbare WENN sichtbar zu machen bedeutet nicht, die Ursache gefunden zu haben. Es gibt uns die Chance, mögliche Bedingungen zu verändern und zu beobachten, was dadurch entsteht.

Bei welchem Verhalten kennst du bisher nur das DANN, aber noch nicht sein WENN?

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