Lange dachte ich, gute Führung zeige sich vor allem darin, wie ich mit anderen umgehe: zuhören, unterstützen, Orientierung geben, Entscheidungen treffen.

Heute interessiert mich noch etwas anderes: Was passiert eigentlich in mir, während ich führe?

Denn dieselbe Situation kann bei mir sehr unterschiedliche Reaktionen auslösen. Eine kritische Rückfrage kann mich neugierig machen – oder mich unter Druck setzen. Das Schweigen eines Mitarbeitenden kann ich einfach wahrnehmen – oder sofort als Ablehnung interpretieren. Ein unerwartetes Problem kann meinen Forschergeist wecken – oder den Impuls, möglichst schnell wieder Kontrolle herzustellen.

Die Situation allein erklärt meine Reaktion also nicht.

Mit der Zeit habe ich begonnen, stärker darauf zu achten, was in solchen Momenten in mir passiert. Werde ich unruhig? Möchte ich mich rechtfertigen? Will ich eine Entscheidung beschleunigen? Habe ich bereits eine Erklärung dafür, warum sich jemand so verhält?

Nicht jede dieser Reaktionen ist ein Problem. Aber sie ist Information.

Denn mein innerer Zustand kann beeinflussen, was ich wahrnehme, wie ich eine Situation interpretiere und wie ich darauf reagiere. Und meine Reaktion verändert wiederum die Situation, in der auch andere handeln.

Für mich bedeutet das nicht, dass Führungskräfte immer ruhig, ausgeglichen oder vollkommen reflektiert sein müssen. Es bedeutet zunächst nur, die eigene Reaktion nicht mit der Situation selbst zu verwechseln.

Vielleicht beginnt Führung deshalb manchmal mit einer ziemlich einfachen Frage:

Was passiert hier gerade und was davon passiert eigentlich in mir?

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