Ich habe lange darüber nachgedacht, was es eigentlich braucht, um mit dem KAMPINADA®-Kompass zu arbeiten.
Vielleicht ist es vor allem die Bereitschaft zu einer Unterbrechung.
Nicht im Sinne von Stillstand. Sondern als kurzer Moment, in dem wir nicht automatisch der nächsten plausiblen Erklärung oder Lösung folgen.
Das klingt zunächst einfach. Ist es aber nicht immer.
Denn wenn wir eine Situation bereits erklärt haben, erscheint der nächste Schritt häufig ziemlich logisch. Wir haben ein Problem erkannt, eine Ursache vermutet und vielleicht schon eine Idee, was wir dagegen tun könnten.
Warum sollten wir dann noch einmal zurückgehen und unsere eigene Sicht darauf hinterfragen?
Genau diese Frage begleitet mich schon lange. Auch persönlich habe ich immer wieder erlebt, wie selbstverständlich mir meine eigenen Erklärungen erscheinen können. Was beobachte ich tatsächlich? Was interpretiere ich bereits? Welche Annahme steckt dahinter? Und was könnte ich bisher übersehen haben?
Mit der Zeit wurde daraus ein wesentlicher Gedanke hinter KAMPINADA®.
Der Kompass soll nicht möglichst schnell die nächste Lösung produzieren. Er schafft einen Raum, in dem Menschen allein oder gemeinsam ihre bisherigen Entscheidungsgrundlagen erkunden können.
Dabei kann sichtbar werden, dass Beteiligte dasselbe Ziel unterschiedlich verstehen. Dass eine Erklärung bisher nur auf einer Annahme beruht. Dass eine Entscheidung an anderer Stelle eine Wirkung erzeugt, die niemand berücksichtigt hatte. Oder dass unterschiedliche Perspektiven auf eine Situation nebeneinanderstehen.
Und manchmal passiert etwas ganz anderes: Wir schauen genauer hin und stellen fest, dass unser bisheriger Weg weiterhin sinnvoll erscheint.
Auch das ist ein mögliches Ergebnis.
Unterbrechung bedeutet für mich deshalb nicht, grundsätzlich an allem zu zweifeln. Sie bedeutet auch nicht, so lange zu reflektieren, bis keine Entscheidung mehr möglich ist.
Sie bedeutet, für einen Moment die Möglichkeit zuzulassen, dass unser bisheriges Verständnis nicht das einzige sein könnte.
Vielleicht verändert dieser Moment unsere Entscheidung. Vielleicht erweitert er unseren Blick. Vielleicht bestätigt er auch das, was wir ohnehin tun wollten.
Der Mut zur Unterbrechung liegt für mich darin, das Ergebnis vorher nicht wissen zu müssen.
Was könnte sichtbar werden, wenn du deine bisherige Erklärung für einen Moment offenlässt?
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